Seit 1996 hat der Ökumenische Geschichtskreis Holsterhausen in 11 Publikationen auf inzwischen nun 1150 Seiten alles aufgeschrieben,
was über Holsterhausen, seine Bürger und Vereine und seine Kirchen mitteilungswert war.
Dabei wurden selbst kritische Zeiten beleuchtet und sensible Themen angefaßt.
Die neueste Veröffentlichung, "Holsterhausen unterm Hakenkreuz. Dokumentation und Leseheft zur lokalen Geschichte - Band 2",
wird nachfolgend beschrieben.
Oktober 2009 - "Holsterhausen unterm Hakenkreuz. Dokumentation und Leseheft zur lokalen Geschichte - Band 2"
Auf 120 großformatigen Seiten und mit fast 200 Fotos und Faksimiles wird in dem nun vorliegenden 2. Band "Holsterhausen unterm
Hakenkreuz. Dokumentation und Leseheft zur lokalen Geschichte" vornehmlich Kriegsereignisse in diesem Dorstener Stadtteil
abgehandelt, der bis 1943 selbstständige Gemeinde war. Vorausgegangen sind aufwändige Recherchen, um jene Ereignisse, die heute
noch viele Menschen in ihren Erinnerungen umtreibt, darstellen zu können.
Autor ist der Journalist Wolf Stegemann (65), der in den 1980-er Jahren zusammen mit anderen, die Buchreihe "Dorsten unterm
Hakenkreuz" vorlegte, die Fotos besorgte Walter Biermann.
Schwerpunkt des Buches ist die Darstellung einer Zugbombardierung am 12. März 1945 an der Bahntrasse Holtstegge, bei der über
70 Soldaten sofort umkamen, weitere 40 später in Lazaretten verstorben sein sollen. Die meisten sind auf dem Kriegsgräberfriedhof
in Holsterhausen bestattet. Die notwendigen Recherchen, um dieses Kriegsereignis umfassend darzustellen, waren sehr schwierig.
Der Autor hatte bei seinen Nachfragen in allen möglichen Archiven und bei Kriegshistorikern den Eindruck, dass diese schreckliche
Bombardierung gar nicht stattgefunden hätte. Niemand wusste etwas davon, außer eine Handvoll Holsterhausener, die sich teils mit
unterschiedlichen Wahrnehmungen daran erinnern konnten, als sie Kinder waren (Kramm, Duve, Polak). Namen mussten von den
Grabkreuzen auf dem Friedhof abgeschrieben werden, um Anhaltspunkte für die Recherche zu haben. Der Datenschutz bei Behörden
legte anfangs jegliches Weiterkommen lahm. Schließlich gelang Wolf Stegemann der Durchbruch, bundesweit konnte er etwa zehn
Familien ausfindig machen, deren Angehörige im Transportzug saßen und in Holsterhausen ums Leben kamen. Die Ergebnisse seiner
letztlich erfolgreichen Recherche hat er im Buch dokumentiert und die Umstände der Erforschung kommentiert ("Letztlich bleiben
Widersprüche", S. 72).
Das Buch befasst sich aber nicht nur mit Kriegsereignissen wie Flugzeugabstürzen, eindrucksvollen Feldpostbriefen,
Einquartierungen und Schulunterricht während des Krieges, sondern auch mit Auszügen aus der Chronik der Antoniusschule und aus
den ungedruckten Memoiren der in diesem Jahr verstorbenen Holsterhausenerin Agnes Hürland-Büning, mit der polizeilichen und
gerichtlichen Bürokratie der Zwangssterilisierung Holsterhausener Bürger, mit der steten Auseinandersetzung zwischen dem
NSDAP-Ortsgruppenleiter Schwarz und dem Unternehmer Paton sowie der Schilderung Holsterhausener, was sie damals gesehen und
erlebt haben (Anni und Bernd Lahrmann u. a.). Rektor und Schulrat Josef Kellner versuchte 1946 seine Beteiligung am NS-System zu
bagatellisieren, indem er für den Nachkriegsunterricht aufschrieb, dass die Nazis in Holsterhausen woanders hergekommen seien.
Am 7. November 2009 enthüllt der Ökumenische Geschichtskreis in Zusammenarbeit mit der Stadt Dorsten an der früheren Bahntrasse,
an der die meist jugendlichen Soldaten sinnlos starben, eine von der Volksbank Dorsten gesponserte bronzene Informationstafel.
Angehörige haben ihr Kommen bereits zugesagt. Die Nichte eines Soldaten, der bei der Bombardierung des Zuges starb, wird aus den
Niederlanden anreisen und im Namen aller Angehörigen ein Grußwort sprechen.
Und hier das
Inhaltsverzeichnis zum Download.
Repros aus: "Holsterhausen unterm Hakenkreuz", Band 2